Die Enzykliken des Sockenpapstes

Von ihrer Schwester genötigt sieht sich ihre Heiligkeit, das geistige Oberhaupt der Socken und strumpfverwandten Kleidungsstücke, dazu genötigt, ihr grenzenloses Randwissen nun auch per Sockenblog in die WWWelt hinauszusenden.

日曜日, 7月 30, 2006

Seltsames Japan V - Arbeit

Liebe Fangemeinde!


Weil mich das Tragen von Bratwürsten in der letzten Zeit im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich auf Trab gehalten hat, mit einiger Verspätung wieder mal ein Bericht aus dem Land der Winkekatzen, Handyanhänger und Toilettenschlapfen, wo man Sojasauce zu Münchner Weißwürsten ißt (wieder eine dunkle Seite der Globalisation) und der Englischen Sprache tagtäglich haarsträubende Grausamkeiten zufügt (wer errät, was Makudonarudo, Datsu Baa, Banira Soosu und Kyandi sind, kann einen Hello-Kitty-Handyanhänger gewinnen!).
Heute möchte ich mich dem Thema zuwenden, dem der Japaner ungefähr 90% seiner Lebenszeit widmet: der Arbeit. Wie es mein Kollege ein wenig lapidar ausgedrückt hat: "Die Japaner arbeiten gerne!" - "gerne arbeiten" heißt übersetzt 10 bis 12 Stunden Arbeit pro Tag, gerne auch mal am Wochenende.
"Pfoah!" Denkt da jetzt der mitteleuropäische Beamte und erschrickt vor den alptraumhaften Zuständen. Aber halt! Nicht so schnell! Wie ich aus mehreren Büchern über Japan erfahren konnte, verbringt zwar der japanische Arbeiter im weltweiten Vergleich am meisten Zeit in der Arbeit, was die durchschnittliche Produktivität in dieser Zeit aber betrifft, findet er sich jedoch im Mittelfeld wieder... im Endeffekt bedeutet das, dass der Japaner (natürlich auch die Japanerin, aber aufgrund der patriarchalisch-machistischen Gesellschaftsstruktur wirklich eher DER Japaner) wie der Europäer seine 8 Stunden arbeitet und 4 Stunden hauptsächlich damit zubringt, nur ja nicht als erster die Arbeitsstätte zu verlassen - denn Fleiß wird ausschließlich über Arbeitszeit, nicht Leistung definiert. Ich stelle mir das in der Praxis ungefähr so vor:

Baustelle in Otemachi. Foto: Coala.

Auch die japanische Bevölkerung wird in den letzten Jahren von der Geißel steigender Arbeitslosigkeit geplagt - aber im Gegensatz zu anderen Ländern, wo nur lautstark über Beschäftigungsoffensiven diskutiert wird, kann man hier deren reale Umsetzung an jeder Straßenecke beobachten. Geschätzte 10 Prozent der japanischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter arbeitet als Straßen- oder Reklameschild bzw. als Wegweiser und weitere 5 % werden dafür bezahlt, dass sie Passanten anschreien.

Ok, er arbeitet als Wegweiser - aber dafür hat er ein Lichtschwert!

Es ist ein erschütternder Anblick, unter welch menschenverachtenden Bedingungen die Bewohner einer der reichsten Industrienationen der Welt schuften müssen:


Eine unwürdige Jobkombination aus Reklametafel und Marktschreier.


Things to do in Tokyo I: Hanabi Taikai

Gestern hatten ich und eine handvoll Japaner eine grandiose Idee: Warum nicht zum Sumida-Flussufer fahren und Feuerwerk (Hanabi) angucken?

Asakusa Station, Weg zum Flussufer geschätzte 600-700 m, Blick nach vorne.

Ok, vielleicht war "eine handvoll Japaner" ein bißchen untertrieben...


Blick nach hinten.

Da freier Blick und Sitzen am Flussufer generell sowieso eher überschätzt werden (behaupt ich jetzt einfach mal so), habe ich den Rückzug angetreten und die nur geringfügig unidyllischere Alternative gewählt:

土曜日, 7月 15, 2006

Cordinka I. in Japan

Heute möchte ich auch die Gelegenheit benutzen, nicht nur über die Japaner zu berichten, sondern auch kurz aus meinem eigenen Dasein in Tokio ...
Wie im März schon befürchtet, wohne ich tatsächlich ganz in der Nähe des Nerd-Viertels von Tokio, Akihabara ... als ich meinen Arbeitskollegen berichtete, dass manche Menschen auf meine zaghaften Kommunikationsversuche mit Flucht reagierten, meinten selbige, dies müsse nicht an Rassismus oder Xenophobie liegen, sondern es könnte sehr leicht sein, dass ich auf so genannte "Otakus" getroffen bin ... das japanische Äquivalent zum durchschnittlichen österreichischen Informatikstudenten.

Akihabara - Otaku´s Paradise. Fotos: Coala.

Weniger psychologisch als vielmehr einkaufstechnisch interessant ist die Tatsache, dass ich ganz in der Nähe vom Tokioter Brunnenmarkt (bin mir sicher, dass das die korrekte Übersetzung von "Okachimachi" ist...) wohne ... wahrscheinlich mit ein Grund, warum mich bisher das Heimweh kaum plagt.

Büli, büli, büli auf Japanisch. Fotos: Coala.


Auch mein spartanisch eingerichtetes kleines Kämmerchen habe ich mittlerweile schon ein wenig meinen persönlichen Gestaltungsbedürfnissen anpassen können und im Rahmen eines mittelschweren Gestaltungswahnanfalles mit buntem oder glitzerndem Kitschkram aus dem 100-Yen-Shop vollgestopft (oder, wie es mein Schwesterlein Minkasie einst so nett formuliert hat: "Es sieht aus wie das Nest einer schwulen Elster").

Vorher:

Nach nur wenigen Tagen Aufenthalt:


Und wenn ich nicht gerade herumlaufe, um Schreine und Japaner zu fotographieren, die Lebensmittelabteilung diverser Kaufhäuser durchzukosten oder 100-Yen-Shops leerzukaufen, versuche ich unter der Woche jeden Tag verzweifelt so zu tun, als wäre ich eine Kellnerin in einem Nobelrestaurant und serviere gutsituierten Einheimischen deutsche Haute Cuisine in Form von Brat- und Weißwürsten mit Senf zum Sparpreis von 20 bis 30 Euro... welche dann mit Gourmet- und Kennerblick fast ehrfürchtig verzehrt werden.

Cosplay á la Cordinka. Foto: Coala.

Japans verlorene Jugend

Wie bereits im März in diesem Weblog berichtet, ist ca. 1 Million japanischer Jugendlicher bzw. junger Erwachsener von einer als "Hikikomori" bezeichneten psychischen Störung befallen, was dazu führt, dass diese das Haus nicht mehr verlassen und statt dessen lieber in Mutterns Küche herumlungern und im Internet surfen (jaja, wir alle haben das schon gemacht...aber wir verlassen zwischendurch auch Mal die Küche, um zu schauen, was das Leben sonst noch so zu bieten hat). Aber was ist mit dem Rest der japanischen Jugend?
Nun, irgendwo wird es hier sicher ganz normale junge Menschen geben - ich hab sie nur noch nicht gefunden... ok, vielleicht sollte ich auch nicht unbedingt in Harajuku suchen... also werde ich heute eine andere verhaltensoriginelle Teilgruppe der japanischen Bevölkerung zwischen 15 und 25 vorstellen... diejenige, die sich leidenschaftlich dem so genannten "Cosplay" widmen, laut Wikipedia (siehe Link in der Überschrift) folgendermaßen definiert: "Beim Cosplay stellt der Teilnehmer seine Lieblingsfigur durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar. Der Charakter kann dabei aus einem Manga, einem Anime, einem Videospiel oder einem Spielfilm stammen."

Und so schaut das dann aus:

Nein, es ist nicht Fasching, sondern ein ganz normaler Tag im Juli. Fotos: Coala.


Am Wochenende versammeln sich die gleichgesinnten Jugendlichen in Harajuku, genauer gesagt am Jinguu-Bashi, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ein wenig bedenklich erscheint mir jedoch, dass dieser Trend offensichtlich ansteckend zu sein scheint ... auch Gaijins (Ausländer) können davon befallen werden!

Die dunklen Seiten der Globalisation. Fotos: Coala.


Am Jinguu-Bashi kann man aber nicht nur spontane Manifestationen jugendlicher Modeverirrungen beobachten, ...

sondern auch den Darbietungen der zukünftigen Stars der japanischen Musikszene lauschen - nunja, zumindest kann man dahingehende Versuche hören.

Dieser junge Mann schmettert den Passanten gerne japanische Operngesänge per Megaphon entgegen.
Foto: Coala.

土曜日, 7月 08, 2006

Seltsames Japan IV - Essen

Wenn man in Tokio versucht, möglichst günstig zu überleben und daher die überteuerten Touristenbuden vermeidet, die dafür aber eine englische Speisekarte als Special Feature beinhalten, und sich statt dessen auf eigene Faust zum nächsten Supermarkt aufmacht, um Futter zu besorgen, ist man mit einem gewaltigen Problem konfrontiert: Was zum Teufel ist das Zeug und kann man das überhaupt essen?

Foto: Coala

Was also tun? Das kaufen, das man identifizieren kann? Das ist aber nicht unbedingt die optimale Lösung - v. a., wenn man Vegetarier ist...

German Wurst. Foto: Coala

Das kaufen, von dem man zumindest schon einmal gehört hat?

Instant-Kugelfisch (Fugu). Foto: Coala

Oder sich einfach in sein Schicksal ergeben und durchkosten?

Muscheln beim Kuscheln. Foto: Coala

Aber zum Glück gibt es ja noch die Süßigkeiten-Abteilung....


Heimat, süße Heimat. Foto: Coala

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Japaner (und auch die Japanerin) kein Problem mit möglichst naturbelassenen Nahrungsmitteln hat - im Gegensatz zum Mitteleuropäer, der seine Speisen ganz gerne ein wenig denaturiert aus dem Kühlregal wählt (Wer möchte schon ein Schnitzel mit Augen kaufen?).



Ich bleib lieber bei der Schokolade... Foto: Coala

Seltsames Japan III - OLs und Bizarrzofen

Auf besonderen Leserwunsch hin möchte ich mich heute kurz dem Thema "Japanerinnen und ihre Outfits" widmen. Bereits im vorigen Berichten wurde ja angesprochen, dass sich hier die üppigsten Modeauswucherungen finden lassen - vor allem bei der ver(w)irrten Jugend.

Bizarrzofen. Foto: Coala

Zwar kann man solche Stylingopfer recht häufig auf der Straße beobachten, aber es muss dennoch angemerkt werden, dass die meisten Japanerinnen es eher bevorzugen, ja nicht aufzufallen - weshalb sie sich alle mehr oder weniger gleich anziehen. Hauptsache, die Handtasche ist von LuisVuitton oder Prada.

OLs (Office Ladies) Foto: Coala

Am Sonn- und Feiertagen wird dann gerne das japanische Äquivalent zum Dirndl ausgepackt ...


Foto: Coala

日曜日, 7月 02, 2006

Seltsames Japan - Teil II

Am heutigen Sonntag bin ich - so wie viele tausende andere JapanerInnen auch - in den Stadtteil Shibuya gereist, genauer in die Takeshita Dori, dem Mekka der Tokioter Jugend. Schon häufig habe ich in diversesten Medien Bilder seltsam gekleideter japanischer Einwohner erblickt, z.B. von solchen, die das Outfit ihrer Lieblings-Comicserien-Figur nachahmen.

Nachdem ich aber in den letzten Tagen eigentlich nur vergleichsweise normal gekleidete Menschen erblickt habe, also zumindest nicht schlimmer als in anderen Großstädten der Welt, dachte ich, es hätte sich dabei um Ausnahmeerscheinungen gehandelt. Weit gefehlt! Die kleidungsauffälligen Menschen Japans versammeln sich nur alle in einem bestimmten Teil von Japan. Hier möchte ich jetzt nur ein paar Bilder sprechen lassen:

Takeshita Dori. Foto: Coala


Takeshita Dori. Foto: Coala

Diese schwarz-weißen Rüschenmonster gehören übrigens zum Standardoutfit der so genannten "Gothic Lolita", ein Mode-Unfall, der hier von der Jugend sehr geschätzt wird. Sollten Sie, liebe Leser, jetzt denken, jaja, die Sachen hängen aber eh nur in der Auslage herum, so was zieht doch keiner ernsthaft an, außer im Fasching... - weit gefehlt! Kurz danach konnte ich Folgendes in einem nahegelegenen Kaufhaus beobachten:


Zwei Zimmermädchen genießen ihren freien Tag. Foto: Coala

Man beachte bitte auch eine der bevorzugten Freizeitbeschäftigung japanischer Backfischchen - stundenlang kichernd in Automaten herumstehen, die selbstklebende Fotos im Briefmarkenformat produzieren - meist umrandet von einer Girlande aus Comicfiguren. Aber das fragwürdige Freizeitverhalten der Japaner und Innen ist wieder einen eigenen Bericht wert...


土曜日, 7月 01, 2006

Seltsames Japan - Teil 1

Heute nur ein kurzes Rätsel direkt aus Tokio - ein längerer Bericht folgt noch, aber heute muss ich leider schon bald todmüde ins Bett kollabieren.
Als ich am Freitag in Akihabara in einem Elektronikcenter einkaufen war und die Kundentoilette besucht habe, fand ich dort Folgendes vor:


Das ganze reguliert die Spülung - und die ersten drei Knöpfe sind mir ja noch verständlich .... aaaaaber, wozu bitte kann ich die Lautstärke des "Flushing Sound" regulieren? Ok, ok, ich versteh ja noch irgendwie, wenn man die Spülung leister stellen möchte - aber warum sollte ich sie denn lauter stellen wollen!!!???? Damit auch ja alle hören, dass ich brav gespült habe? Was aber eh nicht so wichtig ist, weil das das Klo automatisch macht, wenn man zu lange trödelt. Wieso also? Könnte man die Energie, die in diese Erfindung gesteckt worden ist, nicht anderweitig sinnvoller verwenden?!

Aber wenigstens sind die Japaner politisch korrekt - man beachte bitte die Beschriftung in Blindenschrift!